Muelhens 4711
Köln, Venloer Straße 241 | Vogelsanger Str. (Ehrenfeld)
Kölnisch Wasser-Fabrik Ferd. Mülhens (Barthonia-Forum)
Texte und Dokumente
Kurztext: Alexander Kierdorf
Kölnisch-Wasser Fabrik Ferd. Muelhens


Kurztext
Bauzeit: 1950; 1959|60
Architekten: Wilhelm u. Rudolf Koep

Die mit dem Stammhaus und dem Blau-Gold-Haus auch in der Innenstadt vertretene Markenfirma "Ferd. Mülhens 4711 Kölnisch Wasser" ließ mitten in Ehrenfeld unter Einbeziehung älterer Reste Anfang der 50er Jahre von ihren Hausarchitekten Koep neue Firmengebäude errichten, deren gemeinsames Kennzeichen die Vorhangfassaden in den Firmenfarben gold und türkisblau bilden. Gestalterischer Höhepunkt ist dabei das mit einem eleganten Halbrund endende Lager- und Versandgebäude, über dessen Ladezone ein über zwei Geschosse reichendes Fensterband aufsteigt und sich leicht zurückgestuft noch einmal wiederholt. Aber auch die Fassadenvariationen, die eleganten Treppenhäuser, Shedhallenbereiche und schließlich der Ende der 50er Jahre an der Venloer Straße errichtete Verwaltungsriegel sind wesentliche Teile dieser ungewöhnlichen Fabrikanlage. Nach der Verlagerung der Produktion wurden das Gelände mit den sanierten und umgenutzten Bauten durch ein Passagengebäude ergänzt.
Kölnisch-Wasser Fabrik Ferd. Muelhens, Venloer Straße


Entstehung und Wiederaufbau

Gründungsbau 1874
1874 entstand die Werksanlage von 4711 in Köln-Ehrenfeld. In den Kriegsjahren wurden die Produktionsgebäude der Firma Muelhens zu 70% zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte im Wesentlichen zwischen 1950 und 1958 durch Errichtung verschiedener Neubauten unter Einbeziehung älterer Fabrikbauten und des ehemaligen Vincenzheimes (1885). Architekt des Wiederaufbaus war Wilhelm Koep.
Wilhelm und Rudolf Koep gehörten in den fünfziger Jahren zu den aktivsten Architekten in Köln. Neben dem wohl prominentesten Gebäude, dem Blau-Gold-Haus am Domkloster von 1952, gehören das Senatshotel und ein Wohn- und Geschäftshaus an der Glockengasse zu ihren bekanntesten Bauwerken. Die Farbkombination Blau-Gold fand in den 50er Jahren auch bei anderen Bauten in Köln großen Anklang.

Im Gebäudekomplex an der Vogelsanger und Venloer Straße sind heute bauliche Strukturen unterschiedlichen Alters verwoben. Neben den Resten alter, zum Teil im Krieg zerstörter Produktionsgebäude, wurde auch das ehemalige Vincenzheim (1985) in die Erweiterung der Fabrik einbezogen. In den Jahren zwischen 1950 und 1958 gab es eine umfangreiche Bautätigkeit unter der Leitung des Architekten Wilhelm Koep. In dieser Phase erhielten die Fabrikgebäude ein einheitliches Aussehen durch die Fassade in den Firmenfarben. Aus der unruhigen Dachlandschaft mit unterschiedlichen Geschosshöhen lässt sich ablesen, dass es sich hier um einen Komplex mit vielen Alt-, Um- und Neubauten handelt. Die anscheinende Homogenität, die von der Fassade vermittelt wird, erweist sich aus der historischen Perspektive als Trugbild.

Diese Fassade in den Firmenfarben geben der Anlage ein einheitliches Aussehen, sorgen für Identifizierung mit der Aura des Unternehmens und beschwört in einer Mischung aus Leichtigkeit und Eleganz den Geist der fünfziger Jahren. Mit diesen Fassaden aus einer dominierenden Struktur aus gold-eloxierten Aluminium- Profilen und „4711-grünen“, transparenten Glasfeldern, gelang es Koep geschickt die verschiedenen Baukörper der Fabrikgebäude in ein einheitliches Ensemble zu verwandeln.

1973 wurde in Bickendorf an der Wilhelm-Mauer-Straße ein neues Zentral- und Versandlager gebaut. Der Standort Ehrenfeld wurde 1991 aufgegeben. Die Firma Muelhens zog nach Köln-Bickendorf. Das Grundstücks an der Venloer-|Vogelsanger Straße wurde an die FTG (Finanztreuhand Gesellschaft für Grundbesitz und Vermögensverwaltung Barthonia-Center Köln- Ehrenfeld) verkauft. 1992 wurden Teile der Werksgebäude und das Verwaltungsbau unter Denkmalschutz gestellt. Die von Wilhelm Koep entworfenen Fassaden haben entscheidend zum Denkmalwert der Bauwerke beigetragen.

Fassadendetail nach Erneuerung der Fassaden. Foto 2001
Eine Erhaltung der Fassaden war höchstes Anliegen des Denkmalschutzes. Der Erhalt der Originalfassade war auf Grund ihres schlechten Zustands und aus Kostengründen jedoch nicht möglich. Bei der Planung der neuen Fassade wurde darauf geachtet, trotz der erhöhten Wärmeschutzanforderungen möglichst maßgetreue Profile zu verwenden. Die gold-eloxierten Alu-Profile verbreiterten sich zum Beispiel nur um 10 mm. Auch die farbliche Übereinstimmung wurde angestrebt. Für die Glasfelder wurde die Sonderfarbe „4711-grün“ verwandt. Allerdings ersetzte man die ehemaligen Glasfliesen im 47,11 cm Raster durch zusammenhängende Glasscheiben mit aufgedruckten schwarzen Linien. Für die Kacheln im Sockelbereich musste eigens ein Keramikhersteller gefunden werden, der in der Lage war, die originalgetreue Farbe zu brennen. Dennoch ist der Fassade nach dem Umbau ein Teil des faden DIN-Normen-Geschmacks haften geblieben.



Rundbau 1950

Rundbau mit Vordach. Foto 2001
Der Rundbau von 1950 ist ein 4-geschossiger Stahlskelettbau mit einer gebäudehohen, transparenten Verglasung ohne Brüstungen. Die vertikalen Profile sind gold-eloxiert, die Gebäudepfeiler zurückversetzt. Horizontalismus war schon eine Eigenart der 1920er Jahre (Erich Mendesohn, Edmund Körner). In den 50er Jahren wurde diese Gestaltungsart mit einer schwebenden Leichtigkeit der Konstruktion erneut aufgegriffen. Zur Steigerung dieser Wirkung wurden glatte und glänzende Materialien bei der Fassadenverkleidung verwendet. Die elegant abgerundeten Formen des Rundbaus mit der Betonung horizontaler Streifenelemente erinnert an die Architektur des Vorbildes Erich Mendelsohn (z.B.: Warenhaus Schocken von 1926). Am Rundbau kommt auch die Wirkung der Stahl-Glas-Fassade zur vollen Entfaltung, da nur hier die Vorhangfassade in ihrer reinen Form genutzt wurde.

Der Rundbau wurde zur Zeit des Werkbetriebs hauptsächlich zu Lager- und Verpackungszwecken genutzt, dieser Aufgabe entspricht die freistehende Anordnung mit rundherum genügend Fläche für heranfahrende Autos und Lieferwagen an der Verladerampe.

Das Umnutzungskonzept sah für den Rundbau ein Restaurant im Erdgeschoß und Büronutzung in den oberen Etagen vor. Bei der Sanierung musste die korrodierte Fassade komplett erneuert werden. Dabei galt es neue Brandschutz- und Schallschutzbestimmungen in die Planung mit einzubeziehen. Es kam vor allem zum Verlust der Tiefenwirkung, Vielschichtigkeit und „Duftigkeit“ der von Koep entworfenen Vorhangfassade.



Das Vordach

Als verbindendes Element zieht sich zwischen Rundbau, Querriegel und Seifenfabrikationshalle ein Vordach aus Glasbausteinen entlang. Neben der formalen Wirkung hatte es die Aufgabe, die Arbeit auf der Verladerampe vor Wettereinflüssen zu schützen. Es handelt sich um eine aus Glasbausteinen erstellte, tragende Zementgitterstruktur auf Kragarmen. Zwischen jeweils zwei Kragarmen (Doppel-T-Träger) befinden sich drei bzw. vier Felder von Glasbausteinen (8 x 12), die von kleineren Doppel-T-Trägern unterteilt werden. Obwohl die originalen Glasbausteine noch in relativ gutem Zustand waren, entschied man sich wegen der Schäden an der Zementgitterstruktur und der Abdichtungsbahnen, die u. a. von nachträglich aufgestellten Kältemaschinen herrührten, für den kompletten Ersatz des Vordaches durch ein Kopie.


Erweiterungsbau 1958

Erweiterungsbau 1958
Der Erweiterungsbau ist 1958 entstanden. Es handelt sich um einen 4-5geschossigen Stahl-Skelettbau. Detopakglasplatten in der klassischen 4711-Farbe dienten zur Ausfachung. Der Sockelbereich war mit Fliesen eingedeckt. Auch hier musste die Fassade komplett erneuert werden. Wegen der Wärmeschutzbestimmung sind die Fassadenprofile wesentlich weniger filigran. Als Sonnenschutzmaßnahme sind Sonnenrollos sehr dezent in die Fassade integriert worden.
Treppen waren in den 50er Jahren ein wichtiges Gestaltungsmotiv. Hervorzuheben ist das Haupttreppenhaus von 1958 an der Vogelsanger Straße. Es verbindet den weißen Querriegel des Vincenzhofes mit dem Erweiterungsbau von 1958. Der verglaste Eingangsbereich mit zwei Flügeltüren wurde ehemals von einem ca. fünfzehn Meter langen und sieben Meter breiten Vordach auf zwei Stützen geschützt. Die angrenzenden Außenwände waren schwarz gefliest. Trotz aller Bemühungen konnte der Abriss des Vordaches, der Ersatz der Glastüren durch Türen mit herkömmlichen weißen PVC-Profilen, und die Umgestaltung der Wand im Stil der übrigen Fassaden nicht verhindert werden. Statt des Originaldaches schützt nun ein mit weißen Alu-Paneelen verkleidetes Vordach den Eingang.

Aus Gründen der Repräsentation war dem Haupttreppenhaus bei seiner Errichtung 1958 besondere Sorgfalt zuteil geworden. Für den Boden verwendete man blau-weiß gemusterte Fliesen, wie die Fassade eine Hommage an die Firmenfarben. Die Treppe, einläufig bis zum Treppenpodest und dann zweiläufig zu beiden Seiten aufschwingend, setzt sich aus weißem Auftritten und blau-weißen Stoßtritten im Stil des Bodens zusammen. Das Geländer besteht aus Eisenstäben mit Goldverziehungen und einem goldfarbenen Mipolamhandlauf. Eine weitere Dekoration bilden die sechs Deckenleuchter aus Messing und Glas mit Leuchtstoffröhren. Die Ausstattung des Treppenhauses konnte komplett erhalten werden. Im angrenzenden Nebentreppenhaus versuchte man, die Fliesen der Stoßtritte denen des Bodens anzupassen. Es ergaben sich aber große Farbunterschiede.
Den Innenräumen wurde sonst kein besonderer Denkmalwert beigemessen. Im Zuge der Umnutzung mussten die Räume den veränderten Anforderungen der Gewerbe- und Büronutzung angepasst werden.


Die Seifenfabrikationshalle

Shedhalle. Foto 2001
1958 wurde die Seifenfabrik erbaut. Es entstand eine eingeschossige Shedhalle mit verglaster Vorderfront für Seifenfabrikation und Kesselhaus. Es handelt sich hier um eine Stahlfachwerkkonstruktion mit weißen Fliesen in den Brüstungen. Im Bereich des Kesselhauses erstreckt sich eine Glasfassade mit weißen Alu-Profilen bis zum Boden, während die dem Rundbau zugewandte Front mit Rampe und Vordach ausgestattet ist. Auffälliges Kennzeichen der Halle ist das Shed-Dach in S-Form. Eingriffe in das äußere Erscheinungsbild des Traktes waren die Entfernung der weißen Fliesen an den Fassaden (heute ist Backsteinmauerwerk zu sehen) und die Errichtung eines, auf Rampenniveau gelegenen, Fußgängerübergangs mit Gladbach.

Die S-Form des Sheddaches wählte Koep, um eine optimale Belichtung der Seifenfabrikationshalle zu ermöglichen. Der Aufbau des Daches besteht aus einer Stahlkonstruktion, die mit Holzlatten ausgefacht ist und durch Fensterbänder in nord-östlicher Ausrichtung gleichmäßiges Licht einfallen lässt. Der gute Zustand des Daches erlaubte es, die Originalsubstanz der Konstruktion zu erhalten. Lediglich die Dachabdichtung und Entwässerung mussten saniert werden. Von Innen wurde die Decke einheitlich in weiß gestrichen, statt, wie ursprünglich, die tragenden Bauteile dunkler abzusetzen. Ein ausgedehntes Netz von Kabelträgern und Lüftungsrohren unter der Decker versperrt heute zum großen Teil den Blick auf die Sheddach-Form.


Verwaltungsgebäude 1960 – 62

Verwaltung
1960 – 62 entstand das Verwaltungsgebäude als 10-geschossiger Zeilenbau. Die Fassade war gefliest, die Brüstungsfelder mit Glasplatten abgedeckt. Das Treppenhaus erhielt eine Fassade aus Glasbausteinen. Auch hier wurde die Fassade komplett entfernt. Ein Wärme-Dämm-Verbundsystem soll heute das alte Erscheinungsbild nachahmen. Die Innenräume des Verwaltungsbaus, so auch das Treppenhaus, sind auch heute noch weitestgehend erhalten. Ein Wärme-Dämm- Verbundsystem wurde auf dem Verwaltungsbau neu angebracht und die Fassade dabei dem alten Zustand angepasst. Heute bestehen die ehemals bituminös aufgebrachten Brüstungsglasplatten aus türkisfarbigen Metallblechen.












Außenbereich

Bei dem Versuch die Zapfsäule zu verschieben knickte der extrem dünn dimensionierte „Tankpilz“ ein. Er ist entsprechend heute nicht mehr vorzufinden. Anstelle der Unikate der 50er Jahre, die einst das Gelände schmückten, stören heute kommerzielle Accessoires das Erscheinungsbild der Baukörper. Ohne Wissen der Denkmalbehörde und ohne deren Genehmigung stellte der Mieter des SB-Warenhauses einige Glasdächer zur Unterbringung von Einkaufswagen auf. Sie wurden nachträglich von der Denkmalpflege geduldet.


Neubauten

Neubauten an der Venloer Straße. Foto 2001
Die Neugestaltung des 37.000 m großen Grundstücks sah neben der Sanierung und Umnutzung der denkmalgeschützten Bauten auch den Neubau von zwei Gebäudekomplexen vor. Einer der beiden Neubauten stellt die Ergänzung der Häuserreihe neben dem Verwaltungsgebäude an der Venloer Straße dar und erweitert diese zu einem geschlossenen Block mit Innenhofbegrünung. Hier sind im Erdgeschoß Einzelhandel und ein Kindergarten angesiedelt, während die oberen Geschosse dem Wohnen vorbehalten sind. Der zweite Gebäudekomplex nimmt die gesamte Fläche entlang der Thebäerstraße zwischen Venloer und Vogelsanger Straße ein. Das Erdgeschoß wird ebenfalls vom Einzelhandel sowie von Büros und Praxen dominiert. Außerdem nimmt ein SB-Warenhaus den Großteil des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses ein. Die oberen Etagen bieten Wohnungen an, die rund um eine Dachgartenlandschaft angeordnet sind.
Das städtebauliche Konzept sah den Durchstich einer fußläufigen Wegeverbindung und Sichtachse zwischen dem Neubau und den ehemaligen 4711-Gebäuden vor. Die neu entstandene Achse kann als die Verlängerung der auf die Venloer Straße stoßenden Gutenbergstraße bis hin zur Vogelsanger Straße gesehen werden. Diese Gliederung erinnert an die typische Struktur schmaler Blöcke von Alt-Ehrenfeld. Im Bereich der Venloer Straße weitet sich der Weg zu einer Art „Piazza“. Dadurch tritt die eindrucksvolle Gestalt des 10-geschossigen Verwaltungsbaus effektvoll zutage.