Deutzer Brücke
Köln, Straßenbrücke | Eisen- und Stahlkonstruktionen
Texte und Dokumente
Kurztext: Walter Buschmann



Kurztext

Nach Vorprojekten von 1881 und 1886|89 entstand die erste Deutzer Brücke 1913-15 als in sich verankerte, unechte Kettenhängebrücke (Zügelgurtbrücke, siehe Bild 5). Als Architekt war Karl Moritz bei der Gestaltung beteiligt. Die Brücke stürzte am 28. Februar 1945 bei Instandsetzungsmaßnahmen nach einem Bombentreffer mit Todesopfern unter den die Brücke benutzenden Fußgängern und Radfahrern ein (siehe Bild 4). Ein Glied der aus Lamellen gebildeten Kette wurde zur Erinnerung auf der neuen Brücke aufgestellt (s. Bild 6).

Schon im Oktober 1945 wurde der Auftrag für eine neue Dauerbrücke erteilt. Den Entwurf erstellte der Tragwerksplaner Fritz Leonhardt zusammen mit dem Architekten Gert Lohmer. Aus Mangel an Stahl wurde von den Besatzungsbehörden ein Kontingent von 3.600t für den Brückenneubau festgelegt. Bedingt durch den Zwang zur Materialeinsparung wurde erstmals eine Balkenbrücke mit Hohlkastentragwerk konzipiert. Mit dieser Konstruktion konnte über die von den Engländern festgelegte Breite von 7,0 Meter hinausgehend die alte Brückenbreite von 11,5 Meter realisiert werden. Trotzdem wurde für die Brücke nur 3.700t Stahl verarbeitet, während die alte Brücke noch einen Materialaufwand von 8.236t erforderte. Die Brücke wurde auf den alten Brückenpfeilern aufgelegt und konnte am 20.08.1948 eingeweiht werden. Es war der erste Brückenneubau nach Kriegsende über den Rhein.

1976–80 entstand im Rahmen des Stadtbahnausbaus eine in Beton ausgeführte Parallelbrücke mit 16,3 Meter Breite. Der neue Brückenteil entstand in einem Abstand von gut 5 Metern neben der Stahlkonstruktion und wurde, begleitet durch ein Volksfest, in einer fünfstündigen Aktion in die Endposition verschoben. Nach Angaben des auch hier für die Gestaltung zuständigen Architekten Gert Lohmar entsprach der Bogen der Betonbrücke genau der Stahlbalkenbrücke und der Beton wurde mit aufgesetzten Stegen und Flanschen so strukturiert, dass eine optimale Formanpassung erfolgte.
Die mit unerreicht schlanker Eleganz über den Rhein führende, flach gezogene Balkenbrücke wurde Vorbild für weitere Balkenbrücken über den Rhein: 1949 Kennedybrücke Bonn, 1951 Kardinal-Frings-Brücke Düsseldorf, 1966 Zoobrücke, 1972 Bonner Südbrücke.