Feuerwache IV Vondelstraße
Köln, Vondelstrasse 4–8
Texte und Dokumente
Kurztext: Walter Buschmann


Kurztext

Nach einem Entwurf des städtischen Hochbauamtes entstand 1904 die Feuerwache in der Vondelstraße. Es war die vierte derartige Anlage in Köln (Inschrift in Goldlettern: Feuerwache No. 4 Cöln-Süd). Die Hauptfeuerwache war 1890-94 am Sudermannplatz im Agnesviertel entstanden. Heute als „Bürgerzentrum Alte Feuerwache“ genutzt, ist diese Hauptfeuerwache ebenfalls ein Objekt auf der Via Industrialis (Route Kölner Norden).
Der zweigeschossige Putzbau mit Natursteingliederungen in der Vondelstraße ist in die Straßenflucht auf gleicher Linie mit den Nachbarhäusern eingebunden. Zurückspringend aus der Flucht schließt der zur Trocknung der Schläuche und für Übungen erbaute Steigeturm an die Rückfront an. Ein schmaler Bauwich verbindet Straße und Turm.

Die monumental wirkende Fassadenarchitektur der Feuerwache wird geprägt durch dreibahnige Kreuzstockfenster im Obergeschoß und große Rundbogenöffnungen mit Natursteinumrahmungen im Erdgeschoß. Die Basaltlavasteine im Erdgeschoß sind grobgestockt und stehen damit im Kontrast zu den feinbehauenen Kreuzstockfenstern im Obergeschoß. In den Schlußsteinen der Erdgeschoßöffnungen wird mittig der Kopf eines Feuerwehrmannes präsentiert. Über den seitlichen Öffnungen sind allegorische Darstellungen von Feuer und Wasser zu sehen.

Bei Eröffnung der Feuerwache wurden die Feuerspritzen und Leiterwagen noch durch Pferde gezogen. Die Pferdeställe lagen im hinteren Bereich des Erdgeschosses. Vorne standen hinter den fünf Ausfahrtstoren die Wagen. Im Alarmfall konnten so die Pferde schnell aus den Ställen nach vorn geführt und mit wenigen Handgriffen ins Geschirr gestellt werden. Seit 1923 waren Feuerwehrautos im Einsatz mit folgendem Wagenbestand: Tanklöschwagen, Funkdienstwagen, Drehleiter, Unfallwagen, Rettungswagen.
Die Aufenthaltsräume der Feuerwehrleute waren im Obergeschoß untergebracht. Im Brandfall konnten Brandmeister und Mannschaften über Rutschstanden nach unten gelangen. Alle nötigen Geräte, die Uniformen und Helme waren griffbereit gelagert. Vom Alarm bis zum Ausrücken sollten nur 16 bis 20 Sekunden vergehen.
Zugänglich war die Wagenhalle auch von der Elsaßstraße. Die Wagen wurden von dort in die Wagenhalle hineingefahren mit der dann bereits richtigen Position für den nächsten Einsatz in der Wagenhalle aufgestellt. Spurrillen im Boden sorgten für die exakte Ausrichtung der Wagen.

Die Feuerwache Vondelstraße wurde 2009 nach Entwurf der Architekten oxen architekten zum Comedia Theater mit Gastronomie umgebaut. Dazu entstanden zwei neue Theatersäle für knapp 400 und 180 Zuschauer mit Hinterbühne, Garderoben und Werkstätten. In der historischen Wagenhalle wurden ein Restaurant, Probe- und Kursräume sowie Büros eingerichtet. Historische Oberflächen mit den alten Verfliesungen und die Rutschstangen als zeittypisches Ausstattungselement von Feuerwachen sind erhalten geblieben. Im Obergeschoss gibt es Probe- und Schulungsräume und die historische Turnhalle im Dachgeschoss dient als Probebühne.