Postbahnhof
Köln, Gladbacher Wall 5
Paketverladung und Postamt 12
Texte und Dokumente
Kurztext: Walter Buschmann



Kurztext

Ursprünglich war mit dem Bau des neuen Kölner Hauptbahnhofs 1891-94 im gleichzeitig erbauten Hauptpostamt an Unter Sachsenhausen eine Postverladestelle geplant. Dazu wurde unter den Gleisen des Hauptbahnhofs ein Posttunnel angelegt, der im weiteren Verlauf unter der Marzellenstraße bis auf das Grundstück des Postbriefzentrums führt. Der Tunnel wird noch heute für die Versorgung der IC- und ICE-Speisewagen mit Lebensmittel und Getränken genutzt.

Noch im Bauverlauf des Hauptbahnhofs fiel die Entscheidung für eine separate Postverladestelle. Weil auch schon das zum Hauptbahnhof gehörende Bahnbetriebswerk geplant und in der Entstehung war, blieb zur Realisierung nur das relativ weit vom Hauptbahnhof entfernte Gelände am Gladbacher Wall. Dort entstanden bis 1895 das Postamt 12 und der Postbahnhof. Als günstig erwies sich der dortige Geländesprung von etwa 8,0 Meter. Die Postgleise führten oben auf Höhe des 3. Obergeschosses bis an die Postverladung heran und endeten in zwei Schiebebühnen. Die auf 24 parallele Ladegleise verteilten Waggons mit insgesamt 42 (später 56) Ladeständen konnten hier entladen werden. Die Postsäcke gelangten per Paternosterhebewerke, Fördergurte und Packetrutschen zu den unteren Geschossen, wurden hier verteilt und auf Fuhrwerke verladen. Im Inneren sorgten mächtige Pfeiler und Gewölbe für die Aufnahme der hohen Lasten aus den oben entladenen Waggons.

Neben der Postverladung ist das Postamt 12 als drei- bis viergeschossiger Bau in historistischer Architektur erhalten geblieben. Aufwendig in Formen der deutschen Renaissance ist das Hausteinportal gestaltet. Das hohe Dach ist im Krieg zerstört worden.

2003 wurden die Gebäude durch einen Projektentwickler für verschiedene Nutzungen mit Ausstellungs- und Freizeiteinrichtungen hergerichtet. Im ehemaligen Postamt 12 ist das „Italo Svevo“, ein italienisches neusprachliches Gymnasium untergebracht. Der Aufsatz über der Postverladung wurde erneuert (vorher Stahlfachwerk) und diente zeitweise als Ausweichspielstätte des Kölner Schauspiels.