Bankenviertel
Köln, Unter Sachsenhausen | An den Dominikanern
Alexander Kierdorf
Kölner Bankenviertel


Westlich des Kölner Doms, unmittelbar vor der römischen Stadtmauer, befand sich im Mittelalter die Straße „Unter Sechzehnhäusern“ – als „Unter Sachsenhausen“ bis heute Sitz wichtiger Banken und Institutionen. Das Bankwesen in Köln konnte sich erst nach Ende der reichsstädtischen Zeit entfalten, als nichtkatholischen Familien erlaubt wurde, sich in der Stadt niederzulassen. Privatbankhäuser wie Stein und Oppenheim nutzten zunächst aufwendige Privathäuser für ihre Geschäfte. Ähnlich verfuhr Abraham Schaafhausen, dessen „Bankverein“ große Bedeutung für die Industrie- und Verkehrsentwicklung des gesamten Rheinlandes hatte. Für dieses Unternehmen ließ Gustav von Mevissen ab 1859 ein prachtvolles Geschäftshaus errichten, und legte damit den Grundstein für die Bankenstraße Unter Sachsenhausen. Dieses Bankhaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Es lag etwa an der Kreuzung von Tunisstraße und Unter Sachsenhausen.

Reichsbankgebäude
Ältester erhaltener Bau ist heute das 1894-97 errichtete Reichsbankgebäude von Max Hasack (Unter Sachsenhausen 1-3), dessen gotische Architektur vor allem auch durch seinen roten Sandstein mehr mittel- und oberrheinischen Charakter zeigt. Trotz der national-konservativen Einstellung Hasacks wurde das Gebäude mit einem eisernen Dachstuhl versehen. Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg entfiel die schmucke Dachlandschaft, bestehend aus einem zentralen Stufengiebel und seitlichen, die Erker fortsetzenden Türmchen an der Straßenfront.

Reichsbankgebäude und Commerzbank
Unter Sachsenhausen 27
Deutsche Bank Gebäude
In die Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg fällt der Neubau des Barmer Bankvereins (später Commerzbank, Unter Sachsenhausen 21–27) durch den Architekten Carl Moritz. Von der Gesamtform her ein Nachfolger barocker Stadtpalais, ist die Muschelkalk-Fassade klassizistisch-streng durch Architekturdekor und figürliche Reliefs gegliedert, an denen der Kölner Bildhauer und Professor Georg Grasegger maßgeblichen Anteil hatte.

Eine freie Neuinterpretation des heute verschwundenen Schaafhausenschen Bankvereins stellte der 1914 von Bielenberg & Moser errichtete Bau der Rheinboden Kreditanstalt (Unter Sachsenhausen 2) dar: Über einem gequaderten Sockelgeschoß erhebt sich eine zwei Geschosse umfassende Kolossalordnung aus mehrfach abgestuften Rahmen mit einem breiten Abschlussgesims. Heute gehört der Bau zur benachbarten Oppenheim-Bank.

Zur Zeit der Inflation kurz nach dem Ersten Weltkrieg, in den Jahren 1923|24, entstand - näher am Dom - die Darmstädter- und Nationalbank (Architekten Moritz & Betten, An den Dominikanern 2), deren massiges Bauvolumen durch angedeutete Eckrisalite gegliedert wird – heute Gerichtsgebäude.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden eher konservative, dennoch zeittypische Neubauten für Sal. Oppenheim (Architekt Breuhaus de Groot, Unter Sachsenhausen 4), für die kurzlebige Herstatt-Bank (Unter Sachsenhausen 6-8, Enggasse) sowie die Deutsche Bank errichtet. Gestalterischen Höhepunkt bildet sicher der Neubau der „Bank für Gemeinwirtschaft“ unmittelbar vor der Westfassade des Domes (Fritz Schaller, 1953, Domkloster 3). Mit seinem transparenten Erdgeschoß, den von Sichtbetonstützen getragenen Obergeschossen und seinem zentralen runden Lichthof bildete er einen Gegenentwurf zu den konservativen Bankhäusern des Wiederaufbaus; heute nimmt er die Begegnungs- und Veranstaltungsstätte „Domforum“ auf.


Literatur

• Meynen/Klein-Meynen/Kierdorf: Kölner Wirtschaftsarchitekur, Köln 1996, S. 210–218